Kosmetikmarke gründen: Von der Idee zur ersten Produktionscharge

Kosmetikmarke gründen: Von der Idee zur ersten Produktionscharge

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Jorit Tessmann

Jorit Tessmann

CEO & Founder bei Labtree GmbH

Zwischen einer Produktidee und der ersten verkaufsfähigen Charge liegen mehrere Phasen, die sich nicht abkürzen lassen.

Das Thema kurz und kompakt

Von der ersten Rezepturidee bis zur produktionsreifen Formulierung vergehen realistisch drei bis sechs Monate.

Die beschleunigte Stabilitätsprüfung läuft zwölf Wochen im finalen Packmittel. Ein Wechsel der Verpackung setzt sie auf null zurück.

Eine sinnvolle Startmenge liegt bei etwa 1.000 Stück je Variante und hält das Lagerrisiko beherrschbar.

So läuft die Entwicklung bei Labtree

1

Konzeptionierung

2

Bemusterung – Standardmuster in 24 h

3

Individualisierung

4

Prototyping

5

Produktion

White Label 2–3 Monate · Private Label 3–6 Monate · Produktion ab 1.000 Stück

Am Anfang steht die Übersetzung einer gestalterischen Idee in messbare Größen. Moodboards, Farbreferenzen und Positionierungstexte beschreiben die kommerzielle Absicht, geben dem Labor aber keine Arbeitsgrundlage. Ein technisches Briefing schließt diese Lücke, bevor die erste Laborstunde anfällt.

Es legt die Produktkategorie fest, die Zielgruppe und den Hauttyp, das gewünschte Finish und die Deckkraft, das Wirkstoffkonzept sowie ausdrückliche Ausschlusslisten, etwa duftstofffrei, silikonfrei oder vegan. Ebenso wichtig sind physikalische Zielwerte: Viskosität, Verteilbarkeit, Antrocknungszeit und Farbabgabe, jeweils an konkreten Marktprodukten gespiegelt.

  • Produktkategorie, Zielgruppe und gewünschtes Finish eindeutig festlegen.

  • Wirkstoffkonzept und Ausschlusslisten vor Entwicklungsbeginn definieren.

  • Messbare Zielwerte statt beschreibender Adjektive vereinbaren.

  • Referenzprodukte benennen, an denen die Sensorik gespiegelt wird.

Vom Konzept zum technischen Briefing

Am Anfang steht die Übersetzung einer gestalterischen Idee in messbare Größen. Moodboards, Farbreferenzen und Positionierungstexte beschreiben die kommerzielle Absicht, geben dem Labor aber keine Arbeitsgrundlage. Ein technisches Briefing schließt diese Lücke, bevor die erste Laborstunde anfällt.

Es legt die Produktkategorie fest, die Zielgruppe und den Hauttyp, das gewünschte Finish und die Deckkraft, das Wirkstoffkonzept sowie ausdrückliche Ausschlusslisten, etwa duftstofffrei, silikonfrei oder vegan. Ebenso wichtig sind physikalische Zielwerte: Viskosität, Verteilbarkeit, Antrocknungszeit und Farbabgabe, jeweils an konkreten Marktprodukten gespiegelt.

  • Produktkategorie, Zielgruppe und gewünschtes Finish eindeutig festlegen.

  • Wirkstoffkonzept und Ausschlusslisten vor Entwicklungsbeginn definieren.

  • Messbare Zielwerte statt beschreibender Adjektive vereinbaren.

  • Referenzprodukte benennen, an denen die Sensorik gespiegelt wird.

Warum Küchenrezepturen nicht skalieren

Viele Markenkonzepte entstehen aus kleinen, selbst gerührten Ansätzen. Diese Muster zeigen eine Idee, lassen sich aber nicht in einen Industriebetrieb übertragen. Sie beruhen auf nicht standardisierten Rohstoffen, ungeregelter Rührführung, schwankender Umgebungstemperatur und einer Konservierung, die im großen Ansatz nicht trägt.

In der Fertigung wirken Scherkräfte, lange Heiz- und Kühlzyklen und Standzeiten im Kessel. Emulsionen, die im Becherglas halten, brechen unter diesen Bedingungen. Die Laborreformulierung ersetzt deshalb nicht standardisierte Pflanzenauszüge durch definierte Rohstoffqualitäten, legt Emulgatorverhältnisse fest und kalibriert ein Konservierungssystem, das industrielle Lagerung übersteht.

  • Standardisierte Rohstoffqualitäten statt schwankender Naturauszüge.

  • Definierte Emulgatorverhältnisse gegen Phasentrennung im großen Ansatz.

  • Konservierung, die auf industrielle Standzeiten ausgelegt ist.

Die Musterphase: Textur und Packmittel gemeinsam bewerten

In der Musterphase wird aus Chemie ein greifbares Produkt. Erste Labormuster erlauben die Bewertung von Textur, Hautgefühl, Einziehverhalten, Duftprofil und Farbwirkung. Bei dekorativer Kosmetik stehen Pigmentverteilung, streifenfreies Verblenden, Aufbaubarkeit und Unterton im Vordergrund.

Der häufigste Fehler in dieser Phase ist, die Rezeptur getrennt vom Packmittel zu beurteilen. Ein Serum kann sensorisch überzeugen und trotzdem in der vorgesehenen Pumpe tropfen, spritzen oder verstopfen. Viskosität, Oberflächenspannung und Fließverhalten entscheiden darüber, ob das Produkt sauber dosiert wird. Muster gehören deshalb von Anfang an in das Kandidatengebinde.

  • Sensorik und Dosierverhalten gemeinsam bewerten, nicht nacheinander.

  • Muster direkt im Kandidatengebinde prüfen, nicht im Laborglas.

  • Bei dekorativer Kosmetik Nuance unter genormtem Tageslicht beurteilen.

Wie die Nuancenfreigabe technisch abgesichert wird, beschreibt Nuancenentwicklung für Make-up.

Pflichtprüfungen: Stabilität und Konservierung

Vor der Freigabe zur Fertigung steht die technische Validierung. Ein kosmetisches Mittel muss seine physikalische, chemische und mikrobiologische Beschaffenheit über die angegebene Haltbarkeit behalten. Die beschleunigte Stabilitätsprüfung setzt die finale Rezeptur dazu über zwölf Wochen erhöhten Temperaturen aus, üblicherweise 40 und 45 Grad Celsius, ergänzt um Raumtemperatur und Frost-Tau-Wechsel.

Geprüft werden pH-Wert, Viskosität, Emulsionsstruktur, Farbe, Geruch und der Gehalt empfindlicher Wirkstoffe. Entscheidend ist, dass die Prüfung im finalen Packmittel läuft. Wird die Verpackung nach Prüfbeginn gewechselt, beginnt die Frist von vorn, weil Wechselwirkungen zwischen Rezeptur und Behälter neu zu bewerten sind. Die Konservierung wird getrennt über einen Belastungstest nach ISO 11930 nachgewiesen, mit gezielter Beimpfung und Messung über 28 Tage.

  • Zwölf Wochen beschleunigte Lagerung im finalen Packmittel.

  • Packmittelwechsel nach Prüfbeginn setzt die Frist auf null zurück.

  • Belastungstest nach ISO 11930 mit definierten Keimstämmen über 28 Tage.

Den vollständigen Prüfumfang beschreibt Stabilitäts- und Sicherheitsprüfung.

Herstellbarkeit von Anfang an mitdenken

Ein stabiles Muster von 500 Gramm im Becherglas sagt wenig darüber aus, ob dieselbe Rezeptur in einem Kessel mit mehreren hundert Kilogramm funktioniert. Im Industriemaßstab ändern sich das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen, die Dauer der Heiz- und Kühlzyklen und der Scherkrafteintrag der Homogenisatoren.

In der Pilotcharge werden deshalb Temperaturprofil, Emulgiergeschwindigkeit, Kühlkurve und Zugabereihenfolge festgelegt. Beruht die Rezeptur auf scherempfindlichen Verdickern, kann bereits das Umpumpen die Viskosität dauerhaft senken. Bei Heißabfüllung, etwa bei Sticks und Balms, entscheidet das Abfülltemperaturfenster über Oberflächenbild und Einfallstellen.

  • Pilotcharge im Bereich von etwa 50 bis 100 Kilogramm vor der Serienfertigung.

  • Temperaturprofil, Kühlkurve und Zugabereihenfolge verbindlich dokumentieren.

  • Scherempfindliche Verdicker früh identifizieren und Pumpwege begrenzen.

Der strukturierte Ablauf ist in Skalierung über die Pilotcharge beschrieben.

Regulatorik: Sicherheitsbewertung, PIF und CPNP

Für das Inverkehrbringen in der EU gilt die Verordnung (EG) Nr. 1223/2009. Jede Marke muss eine verantwortliche Person mit Sitz in der Union benennen. Diese Person haftet für die Einhaltung der Vorgaben und ist Ansprechpartner der Marktüberwachung.

Drei Elemente sind verpflichtend. Die Sicherheitsbewertung wird von einer fachlich qualifizierten Person erstellt und unterschrieben; sie umfasst die toxikologischen Daten der Rohstoffe in Teil A und die Bewertung in Teil B. Die Produktinformationsdatei bündelt Rezeptur, Prüfberichte, Herstellungsangaben und Kennzeichnung und ist auf Verlangen vorzulegen. Vor dem Inverkehrbringen erfolgt die Meldung im europäischen CPNP-Portal.

  • Verantwortliche Person mit Sitz in der EU benennen.

  • Sicherheitsbewertung mit Teil A und Teil B durch eine qualifizierte Person.

  • Produktinformationsdatei vollständig und aktuell halten.

  • CPNP-Meldung vor dem Inverkehrbringen abschließen.

Den vollständigen Ablauf beschreibt EU-Kosmetikverordnung, CPNP und PIF.

Die erste Charge und die Lieferkette

Die erste Charge und die Lieferkette

Die erste Charge und die Lieferkette

Die erste Serienfertigung ist weniger eine technische als eine logistische Aufgabe. Eine sinnvolle Startmenge liegt bei etwa 1.000 Stück je Variante. Diese Größenordnung hält die Kapitalbindung überschaubar und erreicht zugleich einen tragfähigen Stückkostenpunkt.

Der eigentliche Engpass ist die Gleichzeitigkeit. Rohstoffe müssen geliefert und freigegeben sein, Packmittel geprüft, der Bulk dokumentiert hergestellt, abgefüllt, etikettiert und endfreigegeben werden. Fehlt ein Bauteil, steht die gesamte Charge. Der Produktionsslot ist deshalb rückwärts vom gewünschten Markteintritt zu planen, mit Puffer für die Freigaben.

  • Startmenge um 1.000 Stück je Variante als Ausgangspunkt.

  • Rohstoff- und Packmittelfreigabe als eigene Meilensteine führen.

  • Produktionsslot rückwärts vom Markteintritt planen, mit Puffer.

Welche Mindestmengen üblich sind und woraus sie sich ergeben, behandelt Lohnherstellung von Kosmetik.

FAQ

Wie lange dauert die Entwicklung eines neuen Kosmetikprodukts?

Von der ersten Rezepturidee bis zur produktionsreifen Formulierung vergehen realistisch drei bis sechs Monate. Darin enthalten sind Rezepturentwicklung, Laborarbeit, Musterphase und die verpflichtende Stabilitätsprüfung. Die zwölf Wochen Stabilitätsprüfung lassen sich nicht verkürzen.

Was ist die beschleunigte Stabilitätsprüfung?

Das Produkt wird über zwölf Wochen bei erhöhter Temperatur gelagert, üblicherweise bei 40 und 45 Grad Celsius, ergänzt um Raumtemperatur und Frost-Tau-Wechsel. Überwacht werden pH-Wert, Viskosität, Emulsionsstruktur, Farbe, Geruch und Wirkstoffgehalt, um die Haltbarkeit über die vorgesehene Laufzeit abzusichern.

Was passiert, wenn ich die Verpackung während der Prüfung wechsle?

Die Prüfung beginnt von vorn. Die Stabilitätsprüfung läuft im finalen Packmittel, weil Rezeptur und Behälter miteinander reagieren können, etwa durch Migration von Bestandteilen oder Sauerstoffeintritt. Ein Wechsel nach Prüfbeginn macht die bisherigen Ergebnisse hinfällig.

Was ist ein Belastungstest für die Konservierung?

Der Belastungstest nach ISO 11930 prüft, wie gut eine Rezeptur mikrobieller Belastung standhält. Sie wird gezielt mit fünf definierten Keimstämmen beimpft, und die Keimzahl wird über 28 Tage verfolgt. Damit wird nachgewiesen, dass das Konservierungssystem im Gebrauch zuverlässig wirkt.

Welche regulatorischen Schritte sind vor dem Verkauf nötig?

Nach der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 sind drei Elemente verpflichtend: eine von einer qualifizierten Person unterzeichnete Sicherheitsbewertung, eine vollständige Produktinformationsdatei und die Meldung im europäischen CPNP-Portal. Zusätzlich ist eine verantwortliche Person mit Sitz in der EU zu benennen.

Welche Startmenge ist für eine neue Marke realistisch?

Eine sinnvolle Startmenge liegt bei etwa 1.000 Stück je Variante. Diese Größenordnung hält die Kapitalbindung überschaubar und erreicht gleichzeitig einen tragfähigen Stückkostenpunkt. Die konkrete Mindestmenge hängt von Produkttyp, Packmittel und Abfülltechnik ab.

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