Long-Wear-Make-up entwickeln: transferresistente und langhaftende Rezepturen

Long-Wear-Make-up entwickeln: transferresistente und langhaftende Rezepturen

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Jorit Tessmann

Jorit Tessmann

CEO & Founder bei Labtree GmbH

Langer Halt ist die am haeufigsten gewuenschte und die am schwersten einzuloesende Eigenschaft in der Farbkosmetik. Sie entsteht nicht durch einen einzelnen Rohstoff, sondern durch

Das Thema kurz und kompakt

Transferresistenz entsteht durch Filmbildner, die nach dem Verdunsten der fluechtigen Phase einen zusammenhaengenden Film bilden.

Je hoeher der Filmanteil, desto besser der Halt und desto schlechter Tragegefuehl und Nachbesserbarkeit.

Fluechtige Traegerstoffe verdunsten auch im Gebinde, weshalb Dichtheit hier ein Funktions- und kein Komfortthema ist.

Langer Halt ist kein Zusatz, sondern eine Struktur. Nach dem Auftragen verdunstet die fluechtige Phase, und die verbleibenden Filmbildner vernetzen zu einem zusammenhaengenden Film, der die Pigmente einschliesst und auf der Haut fixiert. Ohne diesen Film liegen Pigmente lose auf und uebertragen sich bei Kontakt.

Daraus folgt die zentrale Zielgroesse: Der Film muss geschlossen genug sein, um Pigmente zu binden, und flexibel genug, um Mimik ohne Abplatzen mitzumachen. Beides gleichzeitig zu erreichen ist die eigentliche Entwicklungsarbeit.

  • Fluechtige Phase: bestimmt Trocknungszeit und das Zeitfenster zum Verblenden.

  • Filmbildner: bestimmen Transferresistenz und Flexibilitaet.

  • Pigmentbenetzung: entscheidet, ob die Farbe im Film sitzt oder auf ihm.

Was langen Halt technisch erzeugt

Langer Halt ist kein Zusatz, sondern eine Struktur. Nach dem Auftragen verdunstet die fluechtige Phase, und die verbleibenden Filmbildner vernetzen zu einem zusammenhaengenden Film, der die Pigmente einschliesst und auf der Haut fixiert. Ohne diesen Film liegen Pigmente lose auf und uebertragen sich bei Kontakt.

Daraus folgt die zentrale Zielgroesse: Der Film muss geschlossen genug sein, um Pigmente zu binden, und flexibel genug, um Mimik ohne Abplatzen mitzumachen. Beides gleichzeitig zu erreichen ist die eigentliche Entwicklungsarbeit.

  • Fluechtige Phase: bestimmt Trocknungszeit und das Zeitfenster zum Verblenden.

  • Filmbildner: bestimmen Transferresistenz und Flexibilitaet.

  • Pigmentbenetzung: entscheidet, ob die Farbe im Film sitzt oder auf ihm.

Der Zielkonflikt zwischen Halt und Tragegefuehl

Jede Erhoehung des Filmanteils verbessert den Halt und verschlechtert zugleich Tragegefuehl, Nachbesserbarkeit und Entfernbarkeit. Ein Produkt mit maximaler Transferresistenz fuehlt sich straff an, laesst sich nicht mehr korrigieren und benoetigt einen oelbasierten Reiniger.

Deshalb ist die erste Frage nicht, wie viel Halt moeglich ist, sondern wie viel Halt das Produktversprechen tatsaechlich braucht. Ein Lip Tint darf straffer sein als eine Foundation, die ganztaegig getragen und zwischendurch nachgebessert wird.

  • Tragedauer und Nachbesserbarkeit gegeneinander abwaegen, nicht beides maximal fordern.

  • Entfernbarkeit frueh mitdefinieren, sie gehoert zum Produktversprechen.

  • Die Produktkategorie bestimmt das zulaessige Straffheitsniveau.

Pigmentbenetzung als unterschaetzter Hebel

Ein haeufiger Fehler ist, den Halt allein ueber den Filmbildner zu steuern. Entscheidend ist ebenso, ob die Pigmente vollstaendig benetzt und im Film eingebettet sind. Unvollstaendig dispergierte Pigmente sitzen auf dem Film statt darin und uebertragen sich trotz hoher Filmmenge.

Oberflaechenbehandelte Pigmente verbessern die Benetzung deutlich und erlauben es, den Filmanteil zu senken, ohne Halt zu verlieren. Das verbessert gleichzeitig das Tragegefuehl. Die Grundlagen der Dispersion sind in Nuancenentwicklung fuer Make-up beschrieben.

  • Oberflaechenbehandelte Pigmente fuer bessere Benetzung einsetzen.

  • Dispergierzeit als verbindlichen Prozessparameter festlegen.

  • Transfer-Test immer am dispergierten Muster, nicht an der Rezepturtheorie.

Pruefen statt behaupten

Transferresistenz ist messbar und sollte nicht ueber Eindruecke diskutiert werden. Ueblich ist ein standardisierter Abdrucktest auf definiertem Material nach definierter Zeit und Andruckkraft, ergaenzt um Anwendungstests ueber die ausgelobte Dauer.

Wichtig ist, gegen eine Referenz zu pruefen. Ein Ergebnis ohne Vergleichsprodukt sagt wenig aus, weil es keine Skala gibt. Wird eine Tragedauer ausgelobt, verlangt die Verordnung 655/2013 einen Nachweis am fertigen Produkt.

  • Abdrucktest mit definierter Zeit, Andruckkraft und Substrat.

  • Referenzprodukt mitpruefen, um eine Skala zu haben.

  • Anwendungstest ueber die ausgelobte Tragedauer.

Abfuellung und Dichtheit sind funktional

Rezepturen mit hohem Anteil fluechtiger Traegerstoffe verlieren diese auch im Gebinde, wenn die Verpackung nicht dicht ist. Das Produkt dickt ueber die Haltbarkeit ein, die Applikation veraendert sich und der Halt laesst nach, obwohl die Rezeptur unveraendert ist.

Dichtheit ist bei diesen Produkten daher kein Komfortmerkmal, sondern Teil der Funktion. Ebenso kritisch ist die Abfuellung selbst: Fluechtige Systeme verdunsten waehrend des Abfuellens, weshalb Kopfraum und Abfuelltemperatur eng gefuehrt werden muessen.

  • Dichtheitspruefung ueber die gesamte Haltbarkeit, nicht nur initial.

  • Materialvertraeglichkeit mit fluechtigen Traegerstoffen pruefen.

  • Kopfraum und Abfuelltemperatur als Prozessparameter definieren.

Vom Muster in die Serie

Beim Scale-up ist der Energieeintrag der kritische Punkt. Die im Labor erreichte Pigmentdispersion muss im Produktionsmassstab reproduzierbar sein, sonst sinkt die Transferresistenz trotz identischer Rezeptur. Massgeblich ist die Umfangsgeschwindigkeit des Ruehrwerks, nicht die Drehzahl.

Wie bei jedem Farbkosmetikprojekt gilt: In der Pilotcharge werden Dispergierzeit, Temperaturfuehrung und Abfuellparameter festgelegt und dokumentiert. Details dazu in Kosmetikproduktion skalieren.

  • Umfangsgeschwindigkeit statt Drehzahl als Vorgabe.

  • Pilotcharge mit mindestens zehn Prozent der Serienmenge.

  • Transfer-Test je Charge als Freigabekriterium.

FAQ

Wodurch entsteht Transferresistenz technisch?

Durch Filmbildner, die nach dem Verdunsten der fluechtigen Phase einen zusammenhaengenden Film bilden und die Pigmente darin einschliessen. Ohne diesen Film liegen Pigmente lose auf der Haut und uebertragen sich bei Kontakt. Entscheidend ist ein Film, der geschlossen genug fuer Halt und flexibel genug fuer Mimik ist.

Warum fuehlt sich langhaftendes Make-up oft straff an?

Weil Halt und Tragegefuehl direkt gegeneinander laufen. Jede Erhoehung des Filmanteils verbessert die Transferresistenz und verschlechtert Tragegefuehl, Nachbesserbarkeit und Entfernbarkeit. Sinnvoll ist, den noetigen Halt am Produktversprechen auszurichten statt ihn zu maximieren.

Kann man Halt verbessern ohne mehr Filmbildner?

Ja, ueber die Pigmentbenetzung. Unvollstaendig dispergierte Pigmente sitzen auf dem Film statt darin und uebertragen sich trotz hoher Filmmenge. Oberflaechenbehandelte Pigmente und eine ausreichende Dispergierzeit erlauben es, den Filmanteil zu senken und trotzdem Halt zu gewinnen.

Wie wird Transferresistenz geprueft?

Ueber einen standardisierten Abdrucktest auf definiertem Substrat nach definierter Zeit und Andruckkraft, ergaenzt um Anwendungstests ueber die ausgelobte Dauer. Wichtig ist ein Referenzprodukt im selben Test, weil ein Einzelergebnis ohne Vergleich keine Skala hat.

Warum ist die Verpackung bei Long-Wear funktional relevant?

Weil die fluechtigen Traegerstoffe auch im Gebinde verdunsten, wenn die Verpackung nicht dicht ist. Das Produkt dickt ueber die Haltbarkeit ein und der Halt laesst nach, obwohl die Rezeptur unveraendert ist. Dichtheit muss deshalb ueber die gesamte Haltbarkeit geprueft werden.

Was ist beim Scale-up am kritischsten?

Der Energieeintrag beim Dispergieren. Im Produktionsmassstab ist er pro Volumen geringer als im Labor, wodurch die Pigmentdispersion unvollstaendig bleibt und die Transferresistenz sinkt. Vorzugeben ist die Umfangsgeschwindigkeit des Ruehrwerks, nicht die Drehzahl.

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