Private-Label-Haarpflege: Shampoo, Conditioner und Treatments entwickeln lassen

Private-Label-Haarpflege: Shampoo, Conditioner und Treatments entwickeln lassen

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Jorit Tessmann

Jorit Tessmann

CEO & Founder bei Labtree GmbH

Haarpflege verlangt eine andere Rezepturlogik als Hautpflege. Tensidsysteme, kationische Konditionierung und Viskositätsaufbau folgen eigenen Regeln, die über Reinigungsleistung, S

Das Thema kurz und kompakt

Die Reinigungsleistung eines Shampoos wird nicht durch die Schaummenge bestimmt, sondern durch die Zusammensetzung des Tensidsystems.

Conditioner beruhen auf kationischen Tensiden und Fettalkoholen, die eine lamellare Struktur bilden.

Die Viskosität von Shampoos ist stark salzabhängig und muss über eine Salzkurve eingestellt werden.

Der Einstieg in die Haarpflege erfolgt häufig über Katalogprodukte, bei denen lediglich Duft und Verpackung angepasst werden. Dieser Weg ist schnell, führt aber zu Produkten, die sich technisch nicht vom Wettbewerb unterscheiden. Sobald eine Marke eine eigene Positionierung aufbauen will, ist eine individuelle Rezepturentwicklung erforderlich.

Haarpflege unterscheidet sich dabei grundlegend von Hautpflege. Während Hautpflege überwiegend mit Emulsionen arbeitet, beruht Haarpflege auf Tensidsystemen, kationischer Konditionierung und spezifischen Polymeren. Die Rezepturlogik, die Prüfmethoden und die Anforderungen an die Produktion sind jeweils andere. Ein Überblick über die Grundlagen findet sich im Beitrag zu Private-Label-Kosmetik.

  • Katalogprodukt: schnell verfügbar, aber ohne technische Differenzierung.

  • Individuelle Rezeptur: eigene Positionierung, eigenes Rezeptur-Eigentum, längere Entwicklungszeit.

  • Eigene Rezepturlogik gegenüber Hautpflege mit anderen Prüf- und Produktionsanforderungen.

Die Entscheidung sollte bewusst getroffen werden. Für einen Markttest kann ein Katalogprodukt sinnvoll sein, für einen langfristigen Markenaufbau ist die individuelle Entwicklung die tragfähigere Grundlage.

Der Wechsel zur individuellen Private-Label-Haarpflege

Der Einstieg in die Haarpflege erfolgt häufig über Katalogprodukte, bei denen lediglich Duft und Verpackung angepasst werden. Dieser Weg ist schnell, führt aber zu Produkten, die sich technisch nicht vom Wettbewerb unterscheiden. Sobald eine Marke eine eigene Positionierung aufbauen will, ist eine individuelle Rezepturentwicklung erforderlich.

Haarpflege unterscheidet sich dabei grundlegend von Hautpflege. Während Hautpflege überwiegend mit Emulsionen arbeitet, beruht Haarpflege auf Tensidsystemen, kationischer Konditionierung und spezifischen Polymeren. Die Rezepturlogik, die Prüfmethoden und die Anforderungen an die Produktion sind jeweils andere. Ein Überblick über die Grundlagen findet sich im Beitrag zu Private-Label-Kosmetik.

  • Katalogprodukt: schnell verfügbar, aber ohne technische Differenzierung.

  • Individuelle Rezeptur: eigene Positionierung, eigenes Rezeptur-Eigentum, längere Entwicklungszeit.

  • Eigene Rezepturlogik gegenüber Hautpflege mit anderen Prüf- und Produktionsanforderungen.

Die Entscheidung sollte bewusst getroffen werden. Für einen Markttest kann ein Katalogprodukt sinnvoll sein, für einen langfristigen Markenaufbau ist die individuelle Entwicklung die tragfähigere Grundlage.

Leistungsfähige Shampoos entwickeln: Tenside und Viskosität

Das Tensidsystem bestimmt Reinigungsleistung, Schaumverhalten, Mildheit und Viskosität eines Shampoos. Üblich ist die Kombination eines primären Tensids, das die Reinigungsleistung trägt, mit einem sekundären Tensid, das Mildheit und Schaumqualität verbessert, sowie einem amphoteren Tensid, das die Reizwirkung des Systems senkt.

Ein verbreitetes Missverständnis betrifft den Schaum. Die Schaummenge wird von Verbrauchern als Indikator für Reinigungsleistung wahrgenommen, korreliert damit jedoch nicht. Fett unterdrückt Schaum, weshalb der zweite Waschgang stärker schäumt als der erste. Ein sehr mildes System kann hervorragend reinigen und dennoch weniger schäumen, was bei der Produktgestaltung berücksichtigt werden muss.

  • Primäres Tensid für die Reinigungsleistung.

  • Sekundäres Tensid für Mildheit und Schaumqualität.

  • Amphoteres Tensid zur Senkung der Reizwirkung.

  • Salzkurve zur Einstellung der Viskosität, mit Maximum und anschließendem Abfall.

Die Salzabhängigkeit der Viskosität ist ein typischer Stolperstein. Die Viskosität steigt mit dem Salzgehalt bis zu einem Maximum und fällt danach wieder ab. Wird ohne Salzkurve gearbeitet, entstehen Chargen mit stark schwankender Viskosität. Weiterführend dazu der Beitrag zu Shampoo produzieren lassen.

Stabile Conditioner formulieren: kationische Systeme und lamellare Struktur

Conditioner funktionieren nach einem grundlegend anderen Prinzip als Shampoos. Sie beruhen auf kationischen Tensiden, die sich an die durch die Wäsche negativ geladene Haarfaser anlagern. Zusammen mit Fettalkoholen bilden diese kationischen Tenside eine lamellare Struktur, die sowohl die Textur als auch die Konditionierleistung bestimmt.

Diese Struktur entsteht nicht automatisch, sondern hängt vom Verhältnis zwischen kationischem Tensid und Fettalkohol, von der Temperaturführung und von der Abkühlgeschwindigkeit ab. Wird zu schnell abgekühlt, bildet sich die Struktur unvollständig aus, und das Produkt bleibt dünnflüssig oder trennt sich später. Eine kontrollierte Abkühlung ist daher kein Detail, sondern ein zentraler Prozessparameter.

  • Verhältnis von kationischem Tensid zu Fettalkohol als Hauptstellgröße.

  • Kontrollierte Abkühlung zur vollständigen Ausbildung der lamellaren Struktur.

  • Anpassung der Konditionierstärke an den Haartyp statt maximaler Dosierung.

Eine zu starke Konditionierung führt zu Beschwerung und schnellem Nachfetten, eine zu schwache lässt das Haar schwer kämmbar. Die richtige Einstellung ist immer haartypabhängig. Details dazu im Beitrag zu Conditioner produzieren lassen.

Gezielte Treatments: Kopfhautseren, Öle und Intensivmasken

Treatments sind das Segment mit der höchsten Marge und der größten technischen Freiheit. Kopfhautseren folgen dabei eher der Logik der Hautpflege als der Haarpflege, weil sie auf die Kopfhaut und nicht auf die Faser wirken. Entsprechend gelten hier die Anforderungen an Verträglichkeit und Wirkstoffstabilität, die aus der Gesichtspflege bekannt sind.

Intensivmasken sind technisch verwandt mit Conditionern, arbeiten jedoch mit höherer Konditionierstärke und längerer Einwirkzeit. Haaröle sind rezepturseitig einfach, stellen aber hohe Anforderungen an die sensorische Abstimmung, weil die Grenze zwischen Pflege und Beschwerung eng ist.

  • Kopfhautseren: Wirkstoffstabilität und Verträglichkeit stehen im Vordergrund.

  • Intensivmasken: höhere Konditionierstärke bei längerer Einwirkzeit.

  • Haaröle: einfache Rezeptur, anspruchsvolle sensorische Abstimmung.

Für den Aufbau einer Linie empfiehlt sich, mit Shampoo und Conditioner zu starten und Treatments gezielt zu ergänzen, sobald die Basislinie im Markt etabliert ist.

Die Rolle früher Labormuster für die Machbarkeit

Haarpflegeprodukte lassen sich nur begrenzt rechnerisch beurteilen. Kämmbarkeit, Griff im nassen und trockenen Zustand, Volumen und Glanz müssen an realem Haar geprüft werden. Übliche Methoden sind Kämmkraftmessungen an standardisierten Haarsträhnen sowie strukturierte Anwendungstests.

Wichtig ist, dass Shampoo und Conditioner gemeinsam geprüft werden. Beide Produkte werden im Alltag nacheinander verwendet und beeinflussen sich gegenseitig. Ein Conditioner, der isoliert gut funktioniert, kann in Kombination mit einem bestimmten Shampoo zu Beschwerung führen.

  • Prüfung an realem Haar statt rein instrumenteller Bewertung.

  • Kämmkraftmessung als objektivierbarer Parameter.

  • Gemeinsame Prüfung von Shampoo und Conditioner im System.

Diese Systemprüfung sollte früh erfolgen, weil sich daraus regelmäßig Anpassungen an beiden Produkten ergeben.

Herstellbarkeit bewerten und in die Produktion skalieren

Beim Scale-up sind bei Haarpflege zwei Punkte kritisch. Erstens die Viskositätseinstellung von Shampoos, die wegen der Salzabhängigkeit im Produktionsmaßstab anders ausfällt als im Labor. Zweitens die Temperaturführung bei Conditionern, deren lamellare Struktur direkt von der Abkühlgeschwindigkeit abhängt.

Beide Punkte lassen sich beherrschen, wenn sie in der Pilotcharge gezielt untersucht und die Parameter verbindlich dokumentiert werden. Die Salzzugabe sollte dabei nicht als fixer Rezepturbestandteil, sondern als geregelter Einstellschritt am Ende des Prozesses definiert werden.

  • Salzzugabe als geregelter Einstellschritt statt fixer Rezepturbestandteil.

  • Verbindliche Abkühlkurven für Conditioner und Masken.

  • Prüfung der Pumpfähigkeit und des Abfüllverhaltens bei hoher Viskosität.

  • Pilotcharge von mindestens zehn Prozent der Serienchargengröße.

Werden diese Parameter festgelegt, ist die Rezeptur über beliebig viele Chargen reproduzierbar.

Regulatorik und Qualitätskontrolle für Haarpflegemarken

Regulatorik und Qualitätskontrolle für Haarpflegemarken

Regulatorik und Qualitätskontrolle für Haarpflegemarken

Haarpflegeprodukte unterliegen denselben Anforderungen wie andere kosmetische Mittel. Erforderlich sind Sicherheitsbewertung, Produktinformationsdatei, Stabilitäts- und Kompatibilitätsprüfung sowie die Meldung im europäischen Portal. Wasserhaltige Produkte benötigen zusätzlich den Nachweis eines wirksamen Konservierungssystems.

Eine Besonderheit betrifft Wirkaussagen. Aussagen zu Haarwachstum oder zur Behandlung von Haarausfall überschreiten schnell die Grenze zum Arzneimittel. Zulässig sind kosmetische Aussagen wie die Verbesserung des Haargefühls oder die Reduktion von Haarbruch, sofern sie belegt sind.

  • Vollständige Produktinformationsdatei einschließlich Sicherheitsbewertung.

  • Nachweis eines wirksamen Konservierungssystems bei wasserhaltigen Produkten.

  • Sorgfältige Abgrenzung kosmetischer Aussagen von arzneilichen Aussagen.

  • Chargenbezogene Qualitäts- und Freigabeprüfung.

Die Abgrenzung bei Wirkaussagen sollte früh geklärt werden, weil sie sowohl den Prüfumfang als auch die Gestaltung der Verpackung bestimmt.

FAQ

Bedeutet mehr Schaum eine bessere Reinigungsleistung?

Nein. Die Schaummenge korreliert nicht mit der Reinigungsleistung. Fett unterdrückt Schaum, weshalb der zweite Waschgang stärker schäumt als der erste. Ein sehr mildes Tensidsystem kann hervorragend reinigen und dennoch weniger schäumen. Schaum ist ein Erwartungsmerkmal der Verbraucher, kein Leistungsindikator.

Warum schwankt die Viskosität von Shampoos zwischen Chargen?

Weil die Viskosität stark salzabhängig ist. Sie steigt mit dem Salzgehalt bis zu einem Maximum und fällt danach wieder ab. Ohne definierte Salzkurve und geregelten Einstellschritt am Prozessende entstehen Chargen mit stark unterschiedlicher Viskosität, obwohl die Rezeptur identisch ist.

Wie funktionieren Conditioner chemisch?

Sie beruhen auf kationischen Tensiden, die sich an die durch die Wäsche negativ geladene Haarfaser anlagern. Gemeinsam mit Fettalkoholen bilden sie eine lamellare Struktur, die Textur und Konditionierleistung bestimmt. Diese Struktur hängt maßgeblich von der Temperaturführung und der Abkühlgeschwindigkeit ab.

Warum müssen Shampoo und Conditioner gemeinsam geprüft werden?

Weil sie im Alltag nacheinander verwendet werden und sich gegenseitig beeinflussen. Ein Conditioner, der isoliert überzeugt, kann in Kombination mit einem bestimmten Shampoo zu Beschwerung führen. Die Systemprüfung sollte früh erfolgen, weil sich daraus meist Anpassungen an beiden Produkten ergeben.

Darf man mit Haarwachstum werben?

Aussagen zu Haarwachstum oder zur Behandlung von Haarausfall überschreiten in der Regel die Grenze zum Arzneimittel und sind für kosmetische Mittel nicht zulässig. Zulässig sind kosmetische Aussagen wie ein verbessertes Haargefühl oder die Reduktion von Haarbruch, sofern sie am fertigen Produkt belegt sind.

Womit sollte eine neue Haarpflegelinie starten?

Mit Shampoo und Conditioner als Basislinie. Treatments wie Kopfhautseren, Masken oder Öle bieten zwar höhere Margen, sollten aber ergänzt werden, sobald die Basislinie im Markt etabliert ist. Das reduziert die anfängliche Kapitalbindung durch Mindestmengen erheblich.

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