Conditioner produzieren lassen: Rezeptur, Silikonfrage und Mindestmengen

Conditioner produzieren lassen: Rezeptur, Silikonfrage und Mindestmengen

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Jorit Tessmann

Jorit Tessmann

CEO & Founder bei Labtree GmbH

Ein Conditioner wirkt über einen einzigen physikalischen Effekt: die elektrostatische Anlagerung positiv geladener Tenside an das negativ geladene Haar.

Das Thema kurz und kompakt

Kationische Tenside wie Behentrimonium Methosulfate werden üblicherweise mit ein bis drei Prozent eingesetzt und bestimmen die Nasskämmbarkeit.

Das Wirkfenster liegt bei pH 3,5 bis 5,5; außerhalb davon lagert sich der Wirkstoff nicht mehr zuverlässig an.

Eine Anpassung auf Basis einer vorqualifizierten Rezeptur dauert zwei bis drei Monate, eine Neuentwicklung drei bis sechs.

So läuft die Entwicklung bei Labtree

1

Konzeptionierung

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Bemusterung – Standardmuster in 24 h

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Individualisierung

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Prototyping

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Produktion

White Label 2–3 Monate · Private Label 3–6 Monate · Produktion ab 1.000 Stück

Gewaschenes, nasses Haar trägt eine negative Oberflächenladung. Bei blondiertem, hitzegeschädigtem oder verwittertem Haar fällt sie deutlich stärker aus, weil freiliegende Cysteinsäuregruppen die Ladung erhöhen. Genau hier setzt der Conditioner an.

Kationische Tenside, also quartäre Ammoniumverbindungen oder Amidoamine, tragen eine positive Ladung und lagern sich an dieser negativen Oberfläche an. Es entsteht eine hydrophobe, monomolekulare Schicht, die die Reibung zwischen den Fasern senkt, statische Aufladung verhindert und die aufgestellte Schuppenschicht glättet.

  • Behentrimonium Methosulfate und Cetrimonium Chloride als übliche Basis, ein bis drei Prozent.

  • Wirkfenster pH 3,5 bis 5,5, da die Anlagerung ladungsabhängig ist.

  • Geschädigtes Haar bindet mehr Wirkstoff als gesundes, was die Dosierung beeinflusst.

Das Wirkprinzip: warum Conditioner überhaupt funktioniert

Gewaschenes, nasses Haar trägt eine negative Oberflächenladung. Bei blondiertem, hitzegeschädigtem oder verwittertem Haar fällt sie deutlich stärker aus, weil freiliegende Cysteinsäuregruppen die Ladung erhöhen. Genau hier setzt der Conditioner an.

Kationische Tenside, also quartäre Ammoniumverbindungen oder Amidoamine, tragen eine positive Ladung und lagern sich an dieser negativen Oberfläche an. Es entsteht eine hydrophobe, monomolekulare Schicht, die die Reibung zwischen den Fasern senkt, statische Aufladung verhindert und die aufgestellte Schuppenschicht glättet.

  • Behentrimonium Methosulfate und Cetrimonium Chloride als übliche Basis, ein bis drei Prozent.

  • Wirkfenster pH 3,5 bis 5,5, da die Anlagerung ladungsabhängig ist.

  • Geschädigtes Haar bindet mehr Wirkstoff als gesundes, was die Dosierung beeinflusst.

Der Pflegekomplex: Proteine, Feuchthaltemittel und Lipide

Die kationischen Tenside liefern Kämmbarkeit und Glätte. Die eigentliche Pflegewirkung kommt aus einem zweiten System, das Struktur, Feuchtigkeit und Lipide adressiert. Entscheidend ist dabei die Molekülgröße.

Hydrolysierte Proteine aus Weizen, Seide, Quinoa oder Keratin werden mit 0,5 bis 3 Prozent eingesetzt. Erst unterhalb von etwa 1.000 Dalton dringen sie in den Cortex ein und verbessern die Zugelastizität. Hochmolekulare Hydrolysate um 50.000 Dalton bleiben auf der Oberfläche und wirken filmbildend. Beides ist sinnvoll, aber es sind zwei verschiedene Effekte.

  • Hydrolysate unter 1.000 Dalton wirken im Cortex, größere Fraktionen filmbildend.

  • Feuchthaltemittel binden Wasser, brauchen aber ein Gegengewicht gegen Aufquellen.

  • Pflanzliche Triglyceride ersetzen ausgewaschene Haarlipide.

Welche Wirkstoffe sich belastbar ausloben lassen, behandelt EU-Werbeaussagen.

Silikon oder silikonfrei: eine Positionierungsentscheidung

Die Silikonfrage ist weniger eine fachliche als eine Positionierungsentscheidung, hat aber erhebliche technische Folgen. Konventionelle Rezepturen setzen Silikone mit ein bis fünf Prozent ein. Dimethicone liefert Glanz und trockene Kämmbarkeit, Cyclomethicone verdunstet nach dem Auftragen und hinterlässt ein leichtes Gefühl, Amodimethicone lagert sich gezielt an geschädigten Stellen an.

Silikonfreie Rezepturen müssen diese Effekte über pflanzliche Lipide, Fettalkohole und Esteröle nachbilden. Das ist möglich, verlangt aber mehr Entwicklungsaufwand und führt selten zu identischer Sensorik. Wer für Curly-Girl-konforme oder Clean-Beauty-Sortimente entwickelt, sollte das früh festlegen, weil es die gesamte Rezepturarchitektur bestimmt.

  • Silikone ein bis fünf Prozent, mit klar unterschiedlichen Funktionen je Typ.

  • Silikonfrei ist machbar, aber sensorisch nicht deckungsgleich.

  • Die Entscheidung fällt vor der Rezepturentwicklung, nicht danach.

Anwendung, Auswaschbarkeit und Verpackung

Viskosität und Fließverhalten entscheiden darüber, wie sich das Produkt in der Dusche verhält. Ein täglicher Conditioner ist auf eine Einwirkzeit von einer bis fünf Minuten ausgelegt und soll sich rückstandsfrei ausspülen lassen. Kuren und Masken arbeiten mit höherem Lipid- und Wirkstoffanteil und brauchen fünf bis zehn Minuten.

Der Duft wird üblicherweise mit 0,3 bis 0,8 Prozent dosiert. Das reicht für den Eindruck unter der Dusche und einen Restduft im trockenen Haar. Duftöle wirken jedoch als Weichmacher und Lösungsmittel, weshalb ihre Verträglichkeit mit dem Packmittel gesondert zu prüfen ist.

  • Einwirkzeit ein bis fünf Minuten im Alltag, fünf bis zehn bei Kuren.

  • Duftdosierung 0,3 bis 0,8 Prozent, mit Prüfung der Packmittelverträglichkeit.

  • Tube, Pumpflasche und Tiegel verhalten sich in der Abfüllung unterschiedlich.

Zeiträume, Kosten und Mindestmengen

Der schnellste Weg führt über eine vorqualifizierte Basis. Die Emulsion hat die Stabilitätsprüfung bereits bestanden, angepasst werden Duft, Wirkstoffakzente und Verpackung. Realistisch sind hier zwei bis drei Monate bis zur Produktion.

Eine echte Neuentwicklung dauert drei bis sechs Monate, weil die zwölfwöchige Stabilitätsprüfung erst nach der Rezepturfreigabe startet. Eine allgemeingültige Mindestmenge gibt es nicht: Sie hängt von Packmittel, Abfüllverfahren und Rezepturkomplexität ab. Eine kleinere Pilotcharge erlaubt es, die Nachfrage zu prüfen, bevor eine volle Serie beauftragt wird.

  • Vorqualifizierte Basis: zwei bis drei Monate bis zur Produktion.

  • Neuentwicklung: drei bis sechs Monate einschließlich Stabilitätsprüfung.

  • Mindestmenge folgt dem Packmittel, nicht einer festen Regel.

Woraus sich Mindestmengen konkret ergeben, erklärt MOQ in der Kosmetik.

Regulatorik und Prüfumfang

Für das Inverkehrbringen in der EU gilt die Verordnung (EG) Nr. 1223/2009. Vor dem Marktzugang muss die Produktinformationsdatei vorliegen, deren Kernstück der Sicherheitsbericht ist. Bei Ausspülprodukten liegt der Schwerpunkt der Bewertung auf dem toxikologischen Profil, dem Reizpotenzial für Haut und Augen sowie der Wirksamkeit der Konservierung.

Der Nachweis der Konservierung erfolgt über den Belastungstest nach ISO 11930. Hinzu kommen die Kennzeichnungsvorgaben, insbesondere die Deklaration der Bestandteile nach INCI und die Angabe deklarationspflichtiger Duftstoffe.

  • Produktinformationsdatei und Sicherheitsbericht vor dem Inverkehrbringen.

  • Belastungstest nach ISO 11930 als Nachweis der Konservierung.

  • INCI-Deklaration und Kennzeichnung deklarationspflichtiger Duftstoffe.

Den vollständigen Ablauf beschreibt EU-Kosmetikverordnung, CPNP und PIF.

Der Weg von der Idee zur Serie

Der Weg von der Idee zur Serie

Der Weg von der Idee zur Serie

Der Ablauf folgt fünf Stufen, die aufeinander aufbauen. Am Anfang steht das technische Briefing: Haartyp, Wirkstoffkonzept, Silikonentscheidung, Viskositätsziel, Kostenrahmen und Packmittel. Darauf folgt die Laborphase mit Mustern, in der Nasskämmbarkeit, Sensorik und pH-Führung bewertet werden.

Anschließend laufen Stabilitätsprüfung über zwölf Wochen, Frost-Tau-Wechsel, Belastungstest und Packmittelverträglichkeit. Erst danach folgen Pilotcharge und Serienfertigung. Wird eine dieser Stufen übersprungen, zeigt sich der Fehler regelmäßig erst in der ersten Serienlieferung.

  • Technisches Briefing mit verbindlicher Silikon- und Packmittelentscheidung.

  • Laborphase mit Mustern im Kandidatengebinde.

  • Prüfphase, dann Pilotcharge, dann Serie.

Wie sich der Sprung in die Serie absichern lässt, zeigt Skalierung über die Pilotcharge.

FAQ

Warum sind kationische Tenside in Conditionern unverzichtbar?

Weil sie das Wirkprinzip tragen. Nasses Haar ist negativ geladen; positiv geladene Tenside wie Behentrimonium Methosulfate lagern sich daran an und bilden einen dünnen Film, der die Schuppenschicht glättet, die Reibung senkt und statische Aufladung verhindert. Ohne sie gibt es keine Kämmbarkeitsverbesserung.

Wie lange muss ein Conditioner einwirken?

Ein normaler Conditioner braucht eine bis fünf Minuten, was für die Anlagerung der kationischen Tenside ausreicht. Kuren und Masken mit höherem Lipidanteil benötigen fünf bis zehn Minuten, damit die Pflegestoffe die Schuppenschicht vollständig belegen können.

Sind silikonfreie Conditioner besser?

Nicht grundsätzlich. Silikone wie Dimethicone und Amodimethicone liefern bei ein bis fünf Prozent Einsatzmenge Hitzeschutz und Gleitfähigkeit, die sich schwer ersetzen lassen. Silikonfreie Rezepturen sind für Naturkosmetik- und Curly-Girl-Positionierung sinnvoll, verlangen aber mehr Entwicklungsaufwand für vergleichbare Sensorik.

Welche Mindestmengen gelten für Haarpflege?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Die Mindestmenge ergibt sich aus Packmittel, Abfüllverfahren, Zulieferern und Rezepturkomplexität; Tube, Pumpflasche und Tiegel verhalten sich unterschiedlich. Für den Markteintritt lässt sich der Bedarf mit einer kleineren Pilotcharge prüfen.

Was kostet ein Conditioner auf Basis einer bestehenden Rezeptur?

Bei einer vorqualifizierten Basis liegt der Stückpreis üblicherweise zwischen 2,00 und 4,50 Euro, abhängig von Packmittel und Menge. Dieser Weg dauert zwei bis drei Monate, während eine vollständige Neuentwicklung drei bis sechs Monate benötigt.

Welche Prüfungen sind vor dem Launch verpflichtend?

Stabilitätsprüfung über zwölf Wochen im finalen Packmittel, Frost-Tau-Wechsel, der Belastungstest nach ISO 11930 zum Nachweis der Konservierung sowie die Packmittelverträglichkeit. Die Ergebnisse gehen in den Sicherheitsbericht und damit in die Produktinformationsdatei ein.

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