Systemkosmetik-Alternative: wann eine eigene Rezeptur den Unterschied macht

Systemkosmetik-Alternative: wann eine eigene Rezeptur den Unterschied macht

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Jorit Tessmann

Jorit Tessmann

CEO & Founder bei Labtree GmbH

Systemkosmetik arbeitet mit vorentwickelten Basisrezepturen aus einem Katalog. Das ist schnell und günstig, begrenzt aber genau dort, wo eine Marke sich unterscheiden müsste.

Das Thema kurz und kompakt

Katalogsysteme ermöglichen schnelle Markteinführung, begrenzen aber die Differenzierung über die Rezeptur.

Dieselbe Basis wird regelmäßig von vielen Marken genutzt, was die INCI-Liste faktisch identisch macht.

Eine Neuentwicklung auf Basis einer vorhandenen Rezepturbibliothek dauert deutlich kürzer als eine Entwicklung von null.

So läuft die Entwicklung bei Labtree

1

Konzeptionierung

2

Bemusterung – Standardmuster in 24 h

3

Individualisierung

4

Prototyping

5

Produktion

White Label 2–3 Monate · Private Label 3–6 Monate · Produktion ab 1.000 Stück

Systemkosmetik bezeichnet katalogbasierte Fertigung, bei der Marken aus vorentwickelten, standardisierten Basisrezepturen wählen. Die Grundlage, etwa eine Öl-in-Wasser-Emulsion, ein wasserfreier Balm oder eine Tensidmischung, ist bereits stabilisiert und geprüft.

Die Marke wählt Standardpackmittel, gegebenenfalls einen Duft aus einer Auswahl und ergänzt das eigene Artwork. Für Markteintritt, Sortimentserweiterung ohne technischen Anspruch oder eine erste Marktvalidierung ist das ein wirtschaftlich sinnvoller Weg.

  • Vorgeprüfte Basis, dadurch kurze Vorlaufzeit und geringes Anfangsrisiko.

  • Auswahl statt Entwicklung: Duft, Packmittel und Artwork werden konfiguriert.

  • Sinnvoll für Marktvalidierung und einfache Sortimentsergänzung.

Was Systemkosmetik ist und wofür sie taugt

Systemkosmetik bezeichnet katalogbasierte Fertigung, bei der Marken aus vorentwickelten, standardisierten Basisrezepturen wählen. Die Grundlage, etwa eine Öl-in-Wasser-Emulsion, ein wasserfreier Balm oder eine Tensidmischung, ist bereits stabilisiert und geprüft.

Die Marke wählt Standardpackmittel, gegebenenfalls einen Duft aus einer Auswahl und ergänzt das eigene Artwork. Für Markteintritt, Sortimentserweiterung ohne technischen Anspruch oder eine erste Marktvalidierung ist das ein wirtschaftlich sinnvoller Weg.

  • Vorgeprüfte Basis, dadurch kurze Vorlaufzeit und geringes Anfangsrisiko.

  • Auswahl statt Entwicklung: Duft, Packmittel und Artwork werden konfiguriert.

  • Sinnvoll für Marktvalidierung und einfache Sortimentsergänzung.

Woran das Modell an seine Grenzen stößt

Mit wachsender Marke und breiterer Distribution zeigen sich die strukturellen Grenzen. Dieselbe Basis wird von vielen Labels genutzt, die INCI-Liste ist damit faktisch identisch. Sobald Handel, Fachpresse oder Kundschaft echte Unterscheidbarkeit erwarten, trägt das Modell nicht mehr.

Hinzu kommen technische Grenzen. Besondere Sensorik, ein bestimmtes Wirkstoffprofil oder anspruchsvolle Formate wie deckstarker Concealer oder transferfeste Texturen lassen sich aus einer Standardbasis nicht ableiten. Auch die Verfügbarkeit ist geteilt: Engpässe treffen alle Marken auf derselben Basis gleichzeitig.

  • Identische INCI-Liste über viele Marken hinweg.

  • Technisch anspruchsvolle Formate sind aus einer Standardbasis nicht ableitbar.

  • Lieferengpässe wirken auf alle Nutzer derselben Basis zugleich.

Der übliche Kompromiss und warum er unnötig ist

Klassisch stehen Marken vor einer harten Wahl: entweder Katalogware mit kurzer Vorlaufzeit, aber ohne Unterscheidbarkeit, oder eine vollständige Neuentwicklung mit entsprechend langer Dauer.

Dieser Gegensatz lässt sich auflösen, wenn eine Entwicklung nicht bei null beginnt. Steht eine Bibliothek geprüfter, stabilitätsgetesteter Basisrezepturen zur Verfügung, kann ein Projekt auf einer belastbaren Grundlage starten und von dort aus individualisiert werden. Das verbindet die Geschwindigkeit des Katalogs mit dem Ergebnis einer Eigenentwicklung.

  • Start auf geprüfter Basis statt Entwicklung von null.

  • Individualisierung von Wirkstoffen, Sensorik und Nuance.

  • Die Rezeptur bleibt am Ende exklusiv.

Warum Entwicklung und Fertigung zusammengehören

Das größte Risiko in der Kosmetikentwicklung liegt an der Nahtstelle zwischen Labor und Werk. Entsteht eine Rezeptur isoliert im Becherglas, ohne dass die spätere Anlage bekannt ist, treten die Probleme erst in der Pilotcharge auf.

Typische Folgen sind eine Emulsion, die unter industrieller Scherkraft bricht, eine Viskosität, die die Dosierpumpe blockiert, oder eine Abfülltemperatur, die bei Farbkosmetik Schlieren erzeugt. Liegen Entwicklung und Fertigung zusammen, sind Anlagenparameter ab dem ersten Muster bekannt und fließen in die Rezeptur ein.

  • Emulsionsbruch unter industrieller Scherkraft als häufigster Scale-up-Fehler.

  • Viskosität und Dosierverhalten gehören in die Musterphase.

  • Anlagenparameter ab dem ersten Muster bekannt, nicht erst in der Pilotcharge.

Die Mechanik dahinter beschreibt Entwicklung und Produktion aus einer Hand.

Der Ablauf in fünf Phasen

Dimension

Systemkosmetik-Anbieter

Integrierter Entwicklungspartner (Labtree)

Einstiegspunkt

Auswahl aus vorkonfigurierter Linie

Ab Produktidee

Eigene Rezepturbasis

Katalogrezepturen, nicht exklusiv

Über 1.000 eigene Rezepturen, exklusive Anpassung möglich

Eigenes Labor / Entwicklung

Typischerweise nicht Teil des Modells

Ja, inhouse in Hamburg; Test-Batches inhouse

Bemusterung

Katalogmuster

Standardmuster innerhalb von 24 Stunden, kostenfrei

Mindestmenge

Projektabhängig

Ab ca. 1.000 Stück je Produkt

Zeit bis zur Serienreife

Kurz bei Katalogprodukten, keine individuelle Entwicklung

White Label 2–3 Monate, Private Label 3–6 Monate

Schnittstelle Entwicklung → Produktion

Entfällt, da keine eigene Entwicklung

Kein Schnittstellenbruch, ein Prozess in 5 Phasen

Regulatorik und Dokumentation

Für Katalogprodukte vorhanden, bei Anpassungen offen

PIF, Sicherheitsbericht und CPNP im Prozess mitgeführt

Passend für

Marken mit Bedarf an standardisierten Pflegelinien

Etablierte Marken, die Entwicklung und Produktion aus einer Hand wollen

Vertiefende Quellen: Rechtliche Grundlage für alle in der EU vertriebenen kosmetischen Produkte ist die EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009. Die gesundheitliche Bewertung von Inhaltsstoffen liegt in Deutschland beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Brancheninformationen und Marktdaten veröffentlicht der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW).

Regulatorik gilt in beiden Modellen gleich

Für den EU-Markt gilt die Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, unabhängig vom gewählten Fertigungsmodell. Kosmetische Mittel durchlaufen keine behördliche Zulassung vor dem Inverkehrbringen. Stattdessen muss eine verantwortliche Person mit Sitz in der Union die Sicherheit vor dem Marktzugang gewährleisten.

Dazu gehören die Produktinformationsdatei, der Sicherheitsbericht mit Teil A und Teil B, die Kennzeichnung nach INCI und die Meldung über das CPNP-Portal. In Deutschland bewertet das Bundesinstitut für Risikobewertung die gesundheitlichen Risiken kosmetischer Inhaltsstoffe. Der Unterschied zwischen den Modellen liegt nicht in diesen Anforderungen, sondern darin, wer sie im Projekt trägt.

  • Verantwortliche Person mit Sitz in der EU benennen.

  • Produktinformationsdatei und Sicherheitsbericht vor dem Inverkehrbringen.

  • CPNP-Meldung als letzter Schritt vor dem Marktzugang.

Die Entscheidung an einer Frage festmachen

Die Entscheidung an einer Frage festmachen

Die Entscheidung an einer Frage festmachen

Keines der beiden Modelle ist grundsätzlich überlegen. Die Frage lautet, ob die Rezeptur Teil des Markenversprechens ist oder nur Träger von Verpackung und Kommunikation.

Erfüllt eine Standardtextur mit einer Katalog-INCI die Erwartung an das Produkt, ist Systemkosmetik der effizientere Weg. Sobald Sensorik, Wirkstoffprofil oder Format zum Kaufargument werden, verlagert der Katalog das Problem nur, statt es zu lösen. Dann ist eine eigene Rezeptur die tragfähigere Grundlage.

  • Rezeptur nicht kaufentscheidend: Systemkosmetik ist effizienter.

  • Rezeptur ist das Kaufargument: eigene Entwicklung lohnt sich.

  • Die Frage gehört vor die Angebotsphase, nicht danach.

Die Kostenseite behandelt der Kostenüberblick zur Private-Label-Linie.

FAQ

Was unterscheidet Systemkosmetik von einer eigenen Rezeptur?

Systemkosmetik nutzt vorentwickelte Katalogbasen mit begrenzten Anpassungen und eignet sich für schnelle Markteinführung. Eine eigene Rezeptur entsteht projektbezogen im Labor, gehört der Marke und lässt sich in Sensorik, Wirkstoffprofil und Format frei auslegen.

Wann reicht ein Katalogsystem aus?

Wenn eine Standardtextur mit einer Katalog-INCI das Markenversprechen erfüllt und die Unterscheidung über Marke, Verpackung und Kommunikation läuft. Für Marktvalidierung und einfache Sortimentsergänzung ist das der wirtschaftlichere Weg.

Woran erkennt man, dass das Modell nicht mehr trägt?

An identischen INCI-Listen im Wettbewerbsumfeld, an technischen Anforderungen, die eine Standardbasis nicht erfüllt, und an geteilten Lieferengpässen, die alle Marken auf derselben Basis gleichzeitig treffen.

Muss eine Eigenentwicklung bei null beginnen?

Nein. Steht eine Bibliothek geprüfter, stabilitätsgetesteter Basisrezepturen zur Verfügung, startet das Projekt auf einer belastbaren Grundlage und wird von dort individualisiert. Das verkürzt die Entwicklung erheblich gegenüber einer Entwicklung von null.

Warum sollten Entwicklung und Fertigung zusammenliegen?

Weil die häufigsten Fehler an der Nahtstelle entstehen: Eine isoliert entwickelte Rezeptur kann unter industrieller Scherkraft brechen oder die Dosierpumpe blockieren. Liegen beide zusammen, sind die Anlagenparameter ab dem ersten Muster bekannt.

Welche regulatorischen Pflichten gelten?

In beiden Modellen dieselben: eine verantwortliche Person mit Sitz in der EU, Produktinformationsdatei, Sicherheitsbericht mit Teil A und Teil B sowie die CPNP-Meldung nach der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009. Unterschiedlich ist nur, wer sie im Projekt trägt.

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