Entwicklung und Produktion aus einer Hand: Warum die Trennung von Labor und Fertigung teuer wird

Entwicklung und Produktion aus einer Hand: Warum die Trennung von Labor und Fertigung teuer wird

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Jorit Tessmann

Jorit Tessmann

CEO & Founder bei Labtree GmbH

Wenn Rezepturentwicklung und Fertigung in getrennten Haeusern stattfinden, entstehen Fehler, die erst beim Scale-up sichtbar werden. Dieser Beitrag zeigt, welche technischen Proble

Das Thema kurz und kompakt

Eine im Becherglas stabile Rezeptur kann im Produktionskessel brechen, weil Scherkraft und Waermeuebergang voellig anders wirken.

Wird die Herstellbarkeit erst nach der Rezepturfreigabe geprueft, kostet jede Korrektur eine komplette Schleife.

Bei Farbkosmetik entscheidet die Dispersion im Serienmassstab darueber, ob die Nuance der Freigabe entspricht.

Im Labor wird in kleinen Ansaetzen gearbeitet: Waerme wird schnell zu- und abgefuehrt, gerueht wird schonend, und der Energieeintrag pro Volumen ist hoch. Im Produktionskessel gilt das Gegenteil. Das Volumen waechst kubisch, die Kesseloberflaeche nur quadratisch, wodurch Kuehlzyklen sich von Minuten auf Stunden verlaengern.

Gleichzeitig arbeiten industrielle Homogenisatoren mit hoher lokaler Scherkraft und Reibungswaerme. Eine Emulsion, die im Becherglas stabil ist, kann unter diesen Bedingungen brechen, aufrahmen oder ihre Viskositaet dauerhaft verlieren. Das ist kein Fertigungsfehler, sondern eine Folge davon, dass die Rezeptur nie fuer diese Bedingungen ausgelegt wurde.

  • Emulsionsbruch: im Labor stabile Systeme trennen sich im grossen Ansatz.

  • Viskositaetsabfall: Polymerverdicker verlieren unter industrieller Scherung ihre Struktur.

  • Abfuellprobleme: zu duenne oder zu zaehe Massen blockieren die Linie.

  • Nuancenabweichung: unvollstaendige Pigmentdispersion laesst Chargen heller wirken.

Was beim Uebergang vom Labor in die Fertigung schiefgeht

Im Labor wird in kleinen Ansaetzen gearbeitet: Waerme wird schnell zu- und abgefuehrt, gerueht wird schonend, und der Energieeintrag pro Volumen ist hoch. Im Produktionskessel gilt das Gegenteil. Das Volumen waechst kubisch, die Kesseloberflaeche nur quadratisch, wodurch Kuehlzyklen sich von Minuten auf Stunden verlaengern.

Gleichzeitig arbeiten industrielle Homogenisatoren mit hoher lokaler Scherkraft und Reibungswaerme. Eine Emulsion, die im Becherglas stabil ist, kann unter diesen Bedingungen brechen, aufrahmen oder ihre Viskositaet dauerhaft verlieren. Das ist kein Fertigungsfehler, sondern eine Folge davon, dass die Rezeptur nie fuer diese Bedingungen ausgelegt wurde.

  • Emulsionsbruch: im Labor stabile Systeme trennen sich im grossen Ansatz.

  • Viskositaetsabfall: Polymerverdicker verlieren unter industrieller Scherung ihre Struktur.

  • Abfuellprobleme: zu duenne oder zu zaehe Massen blockieren die Linie.

  • Nuancenabweichung: unvollstaendige Pigmentdispersion laesst Chargen heller wirken.

Warum die Trennung das Problem verursacht

Entwickelt ein externes Labor eine Rezeptur ohne Kenntnis der spaeteren Anlage, optimiert es auf das, was messbar ist: Sensorik, Aussehen, Stabilitaet im Kleinmassstab. Die Frage, ob sich die Rezeptur auf der konkreten Anlage reproduzieren laesst, stellt sich erst, wenn sie bereits freigegeben ist.

Der Fertigungsbetrieb wiederum bekommt eine fertige Rezeptur und soll sie umsetzen. Er kann Prozessparameter anpassen, aber nicht die Rezeptur selbst. Wenn die Rezeptur konstruktiv nicht zur Anlage passt, bleibt nur die Rueckgabe ins Labor und damit eine vollstaendige Schleife.

  • Das Labor kennt die Anlage nicht, auf der spaeter gefertigt wird.

  • Der Betrieb kann Prozesse anpassen, aber nicht die Rezeptur.

  • Jede Korrektur kostet eine vollstaendige Entwicklungs- und Pruefschleife.

Wie sich solche Schleifen strukturell vermeiden lassen, ist in Abstimmungsschleifen reduzieren beschrieben.

Was ein integrierter Aufbau konkret anders macht

Sind Entwicklung und Fertigung im selben Haus, aendert sich die Reihenfolge der Fragen. Bereits beim ersten Muster steht fest, auf welcher Anlage spaeter gefertigt wird, welche Scherraten und Temperaturkurven dort erreichbar sind und welche Abfuelltechnik zur Verfuegung steht.

Die Rezeptur wird damit von Beginn an innerhalb dieser Grenzen entwickelt, statt sie nachtraeglich hineinzuzwingen. Rohstoffe werden zusaetzlich danach ausgewaehlt, ob sie in Serienmengen verfuegbar und chargenkonstant sind, was im reinen Laborkontext oft keine Rolle spielt.

  • Anlagenparameter sind ab dem ersten Muster bekannt und werden mitgeplant.

  • Rohstoffauswahl beruecksichtigt Verfuegbarkeit und Chargenkonstanz in Serienmengen.

  • Abfuelltechnik und Packmittel fliessen frueh in die Rezepturentscheidung ein.

Stabilitaet fruehzeitig gegen reale Bedingungen pruefen

Ein integrierter Aufbau erlaubt es, die Rezeptur nicht nur unter Laborbedingungen zu pruefen, sondern gegen die Belastungen, die in der Fertigung tatsaechlich auftreten. Dazu gehoeren Scherbelastung im Bereich der spaeteren Anlage, realistische Abkuehlkurven und die Pruefung in der finalen Verpackung.

Die beschleunigte Stabilitaetspruefung ueber zwoelf Wochen bleibt davon unberuehrt, sie ist der regulatorische Nachweis. Der Unterschied liegt darin, dass sie an einer Rezeptur startet, die bereits als herstellbar bekannt ist, statt an einer, deren Herstellbarkeit noch offen ist. Der Pruefumfang ist in Stabilitaets- und Sicherheitspruefung beschrieben.

  • Scherbelastung im Bereich der spaeteren Produktionsanlage pruefen.

  • Realistische Abkuehlkurven statt Laborbedingungen abbilden.

  • Stabilitaetspruefung erst starten, wenn Herstellbarkeit geklaert ist.

Farbkosmetik: wo der Unterschied am deutlichsten wird

Bei Teintprodukten zeigt sich der Effekt am staerksten. Die Nuance haengt nicht nur von der Pigmentmenge ab, sondern davon, wie vollstaendig die Pigmente dispergiert sind. Im Labor ist der Energieeintrag hoch genug, um Agglomerate zuverlaessig aufzubrechen. Im Serienmassstab ist er geringer, wodurch Reste bestehen bleiben und die Charge heller und weniger gesaettigt wirkt.

Wird die Nuance im Labor freigegeben, ohne die Dispersion im Produktionsmassstab geprueft zu haben, weicht die erste Serienlieferung sichtbar vom Muster ab. Die Freigabe sollte deshalb spektralfotometrisch mit definierter Toleranz erfolgen und die Dispergierzeit als verbindlicher Prozessparameter dokumentiert sein. Grundlagen dazu in Nuancenentwicklung fuer Make-up.

  • Spektralfotometrische Freigabe mit definierter Toleranz statt visueller Beurteilung.

  • Dispergierzeit und Energieeintrag verbindlich dokumentieren.

  • Nuance am Serienmuster gegenpruefen, nicht nur am Labormuster.

Was das operativ bedeutet

Der praktische Nutzen liegt weniger in der Geschwindigkeit einzelner Schritte als im Wegfall von Schleifen. Wenn Herstellbarkeit frueh geklaert ist, entfaellt die haeufigste Ursache fuer Verzoegerungen kurz vor dem Launch, naemlich die Rueckgabe einer bereits freigegebenen Rezeptur ins Labor.

Hinzu kommt die Dokumentation. Fertigung nach ISO 22716 verlangt lueckenlose Chargenrueckverfolgung von der Rohstoffanlieferung bis zum abgefuellten Produkt. Liegen Entwicklung und Fertigung zusammen, entstehen diese Unterlagen im Prozess statt nachtraeglich, was die Erstellung der Produktinformationsdatei erheblich vereinfacht.

  • Weniger Schleifen statt schnellerer Einzelschritte.

  • Chargendokumentation entsteht im Prozess, nicht nachtraeglich.

  • Ein Ansprechpartner fuer Rezeptur, Pruefung und Fertigung.

Wie sich daraus ein belastbarer Zeitplan ergibt, zeigt Time-to-Market verkuerzen.

FAQ

Warum bricht eine im Labor stabile Rezeptur in der Produktion?

Weil Scherkraft und Waermeuebergang voellig anders wirken. Im Kessel waechst das Volumen kubisch, die Oberflaeche nur quadratisch, wodurch Kuehlzyklen sich stark verlaengern. Gleichzeitig erzeugen industrielle Homogenisatoren hohe lokale Scherkraft. Eine Rezeptur, die nie fuer diese Bedingungen ausgelegt wurde, kann dabei brechen.

Kann der Fertigungsbetrieb das nicht einfach ausgleichen?

Nur begrenzt. Er kann Prozessparameter wie Ruehrgeschwindigkeit und Temperaturfuehrung anpassen, aber nicht die Rezeptur selbst. Passt die Rezeptur konstruktiv nicht zur Anlage, bleibt nur die Rueckgabe ins Labor und damit eine vollstaendige Entwicklungs- und Pruefschleife.

Was aendert sich bei einem integrierten Aufbau konkret?

Die Anlagenparameter sind ab dem ersten Muster bekannt. Die Rezeptur wird innerhalb der erreichbaren Scherraten, Temperaturkurven und Abfuellbedingungen entwickelt, statt sie nachtraeglich hineinzuzwingen. Zusaetzlich werden Rohstoffe nach Verfuegbarkeit und Chargenkonstanz in Serienmengen ausgewaehlt.

Warum ist Farbkosmetik davon besonders betroffen?

Weil die Nuance von der Vollstaendigkeit der Pigmentdispersion abhaengt. Im Serienmassstab ist der Energieeintrag pro Volumen geringer als im Labor, sodass Agglomerate bestehen bleiben und die Charge heller wirkt. Wird die Nuance nur im Labor freigegeben, weicht die erste Serienlieferung sichtbar ab.

Verkuerzt ein integrierter Aufbau die Entwicklungszeit?

Nicht die einzelnen Schritte, aber die Gesamtdauer. Die zwoelfwoechige Stabilitaetspruefung bleibt unveraendert. Der Gewinn entsteht dadurch, dass Schleifen entfallen, weil die Herstellbarkeit geklaert ist, bevor die Pruefphase startet.

Welche Rolle spielt die Dokumentation?

Fertigung nach ISO 22716 verlangt lueckenlose Chargenrueckverfolgung von der Rohstoffanlieferung bis zum abgefuellten Produkt. Liegen Entwicklung und Fertigung zusammen, entstehen diese Unterlagen waehrend des Prozesses statt nachtraeglich, was die Erstellung der Produktinformationsdatei deutlich vereinfacht.

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