Kosmetikhersteller wechseln: So läuft ein strukturierter Übergang ab

Kosmetikhersteller wechseln: So läuft ein strukturierter Übergang ab

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Jorit Tessmann

Jorit Tessmann

CEO & Founder bei Labtree GmbH

Den Hersteller zu wechseln klingt nach Risiko, und ist es, wenn der Prozess unstrukturiert läuft. Ein strukturierter Wechsel in fünf Schritten hält die Lieferkette stabil und reduziert Übergangsrisiken.

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Wechsel in 5 Schritten: Übernahme, Regulatorik, parallele Produktion, Validierung, kontrollierte Übergabe.

Parallele Produktion vermeidet Versorgungsbrüche und ermöglicht Iteration ohne Lieferdruck.

Beim neuen Hersteller wichtig: eigene Laborkompetenz, integrierte Regulatorik, Skalierungsfähigkeit.

Der erste Schritt ist die vollständige Übernahme aller relevanten Daten:

  • Inhaltsstoff-Listen und Konzentrationen

  • Verfahren (Mischzeiten, Temperaturen, Reihenfolgen)

  • Stabilitätsdaten und Verträglichkeitsstudien

  • Bestehende regulatorische Dokumentation (PIF, CPNP, SDB)

  • Spezifikationen für Rohstoffe und Verpackung

Bei lückenhafter Dokumentation muss der neue Hersteller die Rezeptur analytisch reverse-engineeren, Inhaltsstoff-Analyse, Stabilitätsneubewertung, Verfahrensableitung. Das verlängert die Übernahmephase, ist aber bei ausreichender Laborkompetenz machbar.

Schritt 1: Übernahme der Rezeptur und Dokumentation

Der erste Schritt ist die vollständige Übernahme aller relevanten Daten:

  • Inhaltsstoff-Listen und Konzentrationen

  • Verfahren (Mischzeiten, Temperaturen, Reihenfolgen)

  • Stabilitätsdaten und Verträglichkeitsstudien

  • Bestehende regulatorische Dokumentation (PIF, CPNP, SDB)

  • Spezifikationen für Rohstoffe und Verpackung

Bei lückenhafter Dokumentation muss der neue Hersteller die Rezeptur analytisch reverse-engineeren, Inhaltsstoff-Analyse, Stabilitätsneubewertung, Verfahrensableitung. Das verlängert die Übernahmephase, ist aber bei ausreichender Laborkompetenz machbar.

Schritt 2: Regulatorische Übergabe

PIF und CPNP-Notifizierung müssen auf den neuen Produktionsort und gegebenenfalls neue Verfahren aktualisiert werden. Sicherheitsbewertungen werden überprüft und gegebenenfalls erneuert.

Diese Schritte laufen idealerweise parallel zur Produktionsvorbereitung. Bei integrierten Entwicklungspartnern ist die regulatorische Aufbereitung Teil des Standardprozesses, nicht extern eingekauft.

Schritt 3: Produktionsaufnahme parallel zur bestehenden Lieferung

Der entscheidende Punkt für Risikominimierung: Test-Chargen beim neuen Hersteller, während der alte noch liefert. Drei Vorteile:

  • Kein Versorgungsbruch im Markt

  • Validierung der neuen Produktion vor Hard-Cut

  • Möglichkeit, bei Auffälligkeiten zu iterieren, ohne dass Lieferdruck entsteht

Die Test-Chargen werden gegen die bestehende Spezifikation geprüft, Sensorik, Stabilität, Performance müssen vergleichbar sein.

Schritt 4: Validierung der ersten Chargen

Bevor die volle Lieferübergabe erfolgt, müssen die ersten Produktionschargen vom neuen Hersteller validiert sein:

  • Sensorische Vergleichbarkeit: Textur, Geruch, Anwendung identisch zur bestehenden Produktion

  • Stabilitätsbeurteilung: Erste Datenpunkte aus beanspruchter Stabilität

  • Qualitätskontrolle: Reproduzierbarkeit über mehrere Chargen

  • Verpackung: Kompatibilität mit der neuen Produktionsumgebung

Erst nach Validierung erfolgt die schrittweise Skalierung auf Vollvolumen.

Schritt 5: Kontrollierte Lieferübergabe

Der Übergang erfolgt schrittweise, nicht als Hard-Cut. Typisches Muster:

  1. Erste Wochen: Bestände aus altem Hersteller, neue Chargen werden als Rückgriff produziert

  2. Mittlere Phase: Parallele Lieferung, Anteile verschieben sich Richtung neuer Hersteller

  3. Vollständige Übernahme: Alter Hersteller wird ausgephased

Auch nach der Übergabe wird die ersten 6–12 Monate eng monitoriert, Reklamationsraten, Lieferzuverlässigkeit, Qualitätskonsistenz.

Vertiefende Quellen: Rechtliche Grundlage für alle in der EU vertriebenen kosmetischen Produkte ist die EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009. Die gesundheitliche Bewertung von Inhaltsstoffen liegt in Deutschland beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Brancheninformationen und Marktdaten veröffentlicht der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW).

Worauf beim neuen Hersteller zu achten ist

  • Erfahrung mit Übernahmen: Strukturierte Methodik vorhanden?

  • Eigene Laborkompetenz: Reverse-Engineering von Rezepturen bei lückenhafter Dokumentation möglich?

  • Rezepturbasis als Fallback: Falls 1:1-Übernahme nicht möglich, bestehende Alternativen?

  • Integrierte Regulatorik: Teil des Standardprozesses, nicht separat eingekauft?

  • Skalierungsfähigkeit: Vom Test-Batch bis zur Industrieproduktion ohne Schnittstellenbruch?

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Fazit

Fazit

Fazit

Ein strukturierter Wechsel in fünf Schritten reduziert das Risiko erheblich gegenüber einem Hard-Cut. Die Gesamtdauer von 3 bis 6 Monaten klingt lang, ist aber Investitionszeit in Stabilität, viel günstiger als ein gescheiterter Wechsel mit Lieferstopp und regulatorischen Lücken.

FAQ

Hat Labtree ein eigenes Labor?

Ja. Labtree verfügt über eigene Entwicklungskompetenz inklusive Labor. Dadurch können Rezepturen nicht nur ausgewählt, sondern gezielt entwickelt, getestet und angepasst werden. Zusätzlich können kleinere Test-Batches inhouse produziert werden, um Produkte früh real zu validieren und sicher in die Produktion zu überführen.

Wie lange dauert ein Herstellerwechsel?

Typisch 3 bis 6 Monate. Bei lückenhafter Dokumentation des alten Herstellers kann sich die Übernahmephase verlängern, weil Rezepturen analytisch nachgebildet werden müssen.

Was passiert, wenn der alte Hersteller keine Daten liefert?

Der neue Hersteller muss die Rezeptur analytisch reverse-engineeren, Inhaltsstoff-Analyse, Stabilitätsneubewertung, Verfahrensableitung. Bei ausreichender Laborkompetenz machbar, verlängert aber die Phase um typisch 4–8 Wochen.

Kann ich während des Wechsels weiter liefern?

Im Idealfall ja, durch parallele Produktion. Der alte Hersteller liefert weiter, während der neue Test-Chargen produziert. Das vermeidet Versorgungsbrüche und ermöglicht ruhige Validierung.

Was kostet ein Herstellerwechsel?

Projektabhängig. Hauptpositionen: Übernahme-Aufwand, regulatorische Aktualisierung, Test-Chargen, gegebenenfalls Reverse-Engineering. Verglichen mit den Folgekosten eines schlecht laufenden Wechsels (Lieferstopps, Handelsschäden) meist überschaubar.

Wie minimiere ich das Risiko eines Versorgungsbruchs?

Parallele Produktion einplanen, der neue Hersteller startet, während der alte noch liefert. Sicherheitsbestände definieren. Mit dem Handel transparent über mögliche Übergangsphasen kommunizieren.

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